Ein Jahr nach der Bundestagswahl ist die Stimmung unter den mittelständischen Unternehmen in Deutschland auf einem Tiefpunkt angelangt. Eine
aktuelle Umfrage des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) zeigt eine tiefe Entfremdung zwischen den Unternehmen und der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz.
Knapp 64 Prozent der befragten Firmen glauben nicht, dass die Bundesregierung die politischen Voraussetzungen für eine Wirtschaftswende schaffen kann. Noch deutlicher fällt das Urteil beim wahrgenommenen Engagement aus: 79 Prozent der Befragten erkennen kein ernsthaftes Bemühen der Regierung, die Probleme des Mittelstands anzugehen.
„Ein Jahr nach der Bundestagswahl sind mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer bitter enttäuscht – und fühlen sich wie im falschen Film. Wo bleibt der angekündigte Aufbruch?”, fragte BVMW-Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus. Der Bundeskanzler müsse sich die Frage stellen, ob er die richtigen Personen an Bord habe.
Mittelstandsbeauftragte weitgehend unbekannt
Besonders kritisch betrachten die Unternehmer die Rolle von Gitta Connemann, der Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung. 75 Prozent der Befragten gaben an, noch nie von ihr gehört zu haben. Weitere 18 Prozent sehen keine erkennbaren Leistungen für den Mittelstand. Ahlhaus nannte Connemann als konkretes Beispiel dafür, dass die Personalentscheidungen der Regierung hinterfragt werden müssten.
Die Zukunftsaussichten bewerten die Unternehmer ebenso negativ: Eine überwältigende Mehrheit von 81 Prozent rechnet nicht mit einem spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung im Jahr 2026. Lediglich 11 Prozent zeigten sich optimistisch.
Keine Lust auf weitere Gipfel
Bei der Frage, ob es weitere Wirtschaftsgipfel im Kanzleramt oder im Wirtschaftsministerium brauche, sind sich die Mittelständler weitgehend einig: 83 Prozent finden, dass genug geredet worden sei und die Probleme längst bekannt seien.
Die Umfrageergebnisse kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die Regierung. Erst Mitte Januar hatte Merz das Jahr 2026 zum „Aufschwung- und Wachstumsjahr” erklärt und eingeräumt, die Wirtschaft sei „noch nicht wieder ausreichend in Schwung”. Im Mittelstand war zuvor insbesondere die Senkung der Stromsteuer auf breite Kritik gestoßen, die nur für die Industrie, nicht aber für alle Unternehmen gilt.
Für das Stimmungsbild befragte der BVMW zwischen dem 22. und 29. Januar nach eigenen Angaben 1.175 Mitgliedsunternehmen per Online-Umfrage.