Deutschland wird beim Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS einen Anteil von 40 Prozent erwerben – in Parität mit dem französischen Anteil am Hersteller des Leopard-Panzers. Das teilte ein deutscher Regierungsvertreter am Mittwoch mit und beendete damit wochenlange, zähe Koalitionsverhandlungen. Beide Regierungen wollen ihre Anteile in den nächsten zwei bis drei Jahren auf jeweils 30 Prozent reduzieren, dabei aber unabhängig von der jeweiligen Beteiligungshöhe gleichwertige Stimmrechte behalten, sagte der Vertreter, der anonym bleiben wollte.
Koalitionsstreit beigelegt
Die Einigung beendet eine Phase interner Unstimmigkeiten innerhalb der Koalitionsregierung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Noch Anfang Mai hatte das Bundesverteidigungsministerium auf eine Beteiligung von 40 Prozent gedrängt, während das Wirtschaftsministerium und das Kanzleramt einem kleineren Anteil von rund 30 Prozent den Vorzug gaben – so berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungsdokumente. Das Finanzministerium schloss sich letztlich der Position des Verteidigungsministeriums an.
Das Bundeswirtschaftsministerium wird die Regierungsseite der Transaktion in Abstimmung mit dem Verteidigungsministerium koordinieren, sagte der Sprecher.
IPO-Vorbereitungen bereits fortgeschritten
KNDS mit Sitz in den Niederlanden, hervorgegangen aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (Deutschland) und Nexter (Frankreich) im Jahr 2015, treibt trotz des Drängens Berlins auf eine Verschiebung die IPO-Vorbereitungen weiter voran. CEO Jean-Paul Alary erklärte am 15. Mai, dass der Zeitplan für die Börsennotierung unverändert bleibe, und wies damit die Bitte Berlins zurück, das Angebot bis in den Herbst zu verschieben.
Banker hatten eine Doppelnotierung an der Frankfurter Börse und der Pariser Börse im Juni oder Juli erwartet, mit einem Streubesitz von rund 25 Prozent der Anteile und einer potenziellen Bewertung von etwa 20 Milliarden Euro. Jüngere Schätzungen von Beratern haben die Prognose jedoch angesichts der Schwäche europäischer Rüstungsaktien auf eine Spanne zwischen 18 und 20 Milliarden Euro nach unten korrigiert.
Strategische Begründung
Deutschland investiert seit Jahren Milliarden in den Wiederaufbau seiner Streitkräfte nach jahrzehntelanger Unterfinanzierung und ist bestrebt, sich neben Frankreich gleichwertigen Einfluss auf KNDS zu sichern, um nationale Sicherheitsinteressen zu schützen. Das Unternehmen befindet sich im gemeinsamen Besitz der französischen Regierung und der deutschen Familie Wegmann, die den ehemaligen Krauss-Maffei-Wegmann-Teil des Unternehmens kontrolliert.
Die Einigung ebnet den Weg für einen der größten Rüstungs-Börsengänge in Europa, wenngleich noch Herausforderungen bestehen, darunter der Abschluss einer Prüfung im Zusammenhang mit einem Katar-Vertrag, die vor der Veröffentlichung eines Prospekts abgeschlossen sein muss.
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