Ray Dalio, der Gründer von Bridgewater Associates, warnte am letzten Dienstag davor, dass der boomende Markt für künstliche Intelligenz alle Merkmale einer Blase aufweise, die letztendlich platzen werde, und zog dabei einen Vergleich zur Dotcom-Ära um die Jahrtausendwende.
Ein vertrautes Muster
Auf dem Forbes Iconoclast Summit in New York City am 3. Juni sprach Dalio in einer Talkrunde mit Dani Burger von Bloomberg und bekräftigte seine seit längerer Zeit vertretene Ansicht, dass die Bewertungen im KI-Bereich ein nicht nachhaltiges Niveau erreicht haben. Er riet Investoren, auf bestimmt Auslöser zu achten, die die Blase zum Platzen bringen könnten. Dazu gehört etwa eine geldpolitische Straffung durch die Federal Reserve.
Die neuerliche Warnung steht im Einklang mit einer Reihe von Mahnungen, die Dalio bereits im vergangenen Jahr geäußert hat. In einem CNBC-Interview im November 2025 erklärte er, sein hauseigener Blasenindikator – der Marktbedingungen bis ins Jahr 1900 zurückverfolgt – zeige, dass sich der Markt „zu etwa 80 % in einer Blase” befinde, verglichen mit der Euphorie vor dem Crash von 1929 oder dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Im Januar schrieb er auf X, dass „der KI-Boom, der sich derzeit im Frühstadium einer Blase befindet, alles stark beeinflusst hat”. Und in einem Auftritt im März beim All-In Podcast warnte er, der Boom könne sich „selbst auffressen”, wenn es Unternehmen nicht schnell gelingt, aus ihren massiven KI-Investitionen angemessene Gewinne zu erzielen.
Die Technologie überlebt – die Unternehmen vielleicht nicht
Dalio hat konsequent zwischen der Technologie selbst und den Unternehmen, die darauf aufgebaut sind, unterschieden. In seinem Podcast-Auftritt im März erkannte er das transformative Potenzial der KI an, warnte jedoch davor, dass viele der derzeit hochgehandelten Marktlieblinge eine Korrektur möglicherweise nicht überstehen werden. Dies spiegelt sein übergreifendes Denkmodell wider: Blasen platzen nicht, weil eine Technologie scheitert, sondern wegen „des Bedarfs an Liquidität” – einem systemischen Liquiditätsengpass, ausgelöst durch geldpolitische Straffung oder andere Schocks. So war es bereits 2000, als die nach immer mehr fresh money dürstenden Start-ups kein Risikokapital mehr erhielten und IPOs wegen der Zurückhaltung der wieder zu einer angemessenen Vorsicht zurückgekehrten Investoren nicht mehr möglich waren.
Umfassendere wirtschaftliche Turbulenzen
Die Warnung vor der KI-Blase fügt sich in Dalios übergeordnete These ein, dass die USA in eine Phase „großer Turbulenzen” eintreten, angetrieben von hohen Haushaltsdefiziten, einer wachsenden Vermögensungleichheit und geopolitischen Verwerfungen. In seinem Bloomberg-Gespräch vom 3. Juni sprach er zudem die US-Schuldenlast und die Anleihemärkte an. Seine Botschaft an Investoren ist dabei unverändert geblieben: Das Vorhandensein einer Blase erfordert keinen sofortigen Ausstieg, verlangt jedoch realistische Erwartungen an künftige Renditen sowie äußerste Vorsicht beim Einsatz von Fremdkapital und bei konzentrierten Positionen.
Lesen Sie dazu weiter bei
Business Insider